Monitoring

Wie gut ist BNE in Deutschland bereits in den verschiedenen Bildungsbereichen verankert? Um dies herauszufinden, wird ein bundesweites BNE-Monitoring durchgeführt.

Wie tiefgreifend ist Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) bereits in den verschiedenen Bildungsbereichen verankert? Wie steht es um die praktische Umsetzung? Was sind Faktoren, die eine BNE-Umsetzung unterstützen oder hemmen? Wie wird der Prozess vom Projekt zur Struktur verhandelt und umgesetzt? Welche Empfehlungen für Politik und Praxis lassen sich daraus ableiten?

Um diese und weitere Fragen beantworten zu können, führt das Team von Prof. Dr. Gerhard de Haan am Institut Futur (Freie Universität Berlin) seit 2015 ein bundesweites BNE-Monitoring durch.

Eckpunkte zum Monitoring

Übergreifendes Ziel des nationalen BNE-Monitoring ist die Erfassung und Beschreibung eines differenzierten Bildes von Stand und Prozess der BNE-Verankerung in Deutschland. Dafür werden neben Analysen von Dokumenten verschiedene qualitative und quantitative Studien durchgeführt und deren Ergebnisse veröffentlicht.

Zusätzlich zum Forschungsauftrag begleitet das Projektteam des Monitoring in der Rolle der Wissenschaftlichen Beratung die Umsetzung des UNESCO-Programms "ESD for 2030" sowie des Nationalen Aktionsplans (NAP). Dafür werden die Forschungsergebnisse für die BNE-Gremien, Politik, Verwaltung, Praxis sowie für die interessierte Öffentlichkeit aufbereitet und in unterschiedlichen Formaten kommuniziert.

Menschen sitzen in einem Teammeeting.

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Aufbau des Monitorings

Das Monitoring am Institut Futur ist in vier Module unterteilt: Während der Fokus in den drei Forschungsbereichen (Dokumentenanalysen, Qualitative Studien, Quantitative Studien) auf der Beantwortung wichtiger Fragestellungen rund um die BNE-Verankerung liegt, werden die Ergebnisse im Modul “Wissenschaftliche Beratung und Mobilisierung von Wissen” verbunden, kommuniziert und in den Prozess der Umsetzung eingebracht.

Wissenschaftliche Beratung und Mobilisierung von Wissen

Wie können die Forschungsergebnisse aus dem Monitoring so kommuniziert werden, dass Akteurinnen diese in der eigenen Arbeit nutzen können? Welche Forschungsergebnisse zur Implementierung von BNE gibt es in anderen Ländern? Wie kann der Forschungsstand so aufbereitet werden, dass das darin gesammelte Wissen nicht nur allen aktuell Interessierten zur Verfügung steht, sondern auch neue Kreise erreicht? Diese Fragen werden im Rahmen des Modul 1 zur Mobilisierung von Wissen verfolgt.

Das Modul zielt somit darauf ab, internationale und nationale Erkenntnisse über BNE an der Schnittstelle von Wissenschaft und Akteuren des BNE-Prozesses aus Politik, Verwaltung, Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Bildungspraxis zu synthetisieren und zu kommunizieren. Der wissenschaftliche Berater und das Monitoring-Team bringen durch Beratung und Begleitung empirisches Wissen in die Nationale Plattform, bei Strategietreffen, Treffen der Foren und Partnernetzwerke sowie das youpaN ein. Damit wird eine informierte Strategieentwicklung für die zukünftige Stärkung von BNE und die Umsetzung des Nationalen Aktionsplans BNE bis 2030 unterstützt.

Dokumentenanalysen

Wie tiefgreifend ist BNE in Lehrplänen, Ausbildungsordnungen, dem Lehramtsstudium, Gesetzen, politischen Beschlüssen und anderen wichtigen Dokumenten des deutschen Bildungssystems verankert? Welche Trends lassen sich in den verschiedenen Bildungsbereichen feststellen? Wo besteht besonderer Handlungsbedarf? Und: Was können wir aus guten Beispielen der BNE-Verankerung lernen?

Zur Beantwortung dieser und weiterer Fragen wurden bereits über 4.500 Dokumente aus allen Bildungsbereichen analysiert. Gesucht wurde nach Schlagwörtern wie “BNE”, “Nachhaltigkeit” und “Nachhaltige Entwicklung”. Aber auch verwandte Bildungskonzepte (zum Beispiel Umweltbildung, Globales Lernen) und Perspektiven auf und von BNE (zum Beispiel Whole Institution Approach, Agenda 2030, SDG) wurden einbezogen. Alle Fundstellen wurden ausgewertet und die Ergebnisse unter anderem in Berichten veröffentlicht. Dabei zeigt sich, dass BNE zunehmend in den zentralen Dokumenten des Bildungssystems aufgenommen wird. Gleichzeitig bleibt in vielen Bereichen, wie zum Beispiel der Ausbildung von Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, weiterhin großer Handlungsbedarf.

Während der aktuell laufenden Projektphase (2020 bis 2022) werden alle wichtigen Dokumente erneut erhoben und auf Veränderungen überprüft. Durch dieses längsschnittliche Vorgehen können Trends bei der BNE-Verankerung sichtbar gemacht werden. Außerdem werden die Ergebnisse des Monitoring noch einmal stärker für Akteurinnen und Akteure aus der Praxis aufbereitet und kommuniziert.

Qualitative Untersuchungen

Wie schätzen Expertinnen und Experten die Verankerung und die Verbreitung von BNE in ihrem Bildungsbereich ein? Welche Treiber und Hürden spielen dabei eine Rolle? Und welche strukturellen und organisationalen Grenzen bearbeiten die unterschiedlichen BNE-Akteurinnen und Akteuren im gemeinsamen Vorhaben, BNE vom Projekt zur Struktur zu bringen? Die Beantwortung dieser Fragen stand im Zentrum der bisherigen qualitativen Analysen im Monitoring. Dadurch konnten in jedem Bildungsbereich spezifische Transformationspfade sowie die vielseitigen Intentionen zur strukturellen Umsetzung von BNE in Deutschland nachgezeichnet werden.

Aktuelle Veröffentlichungen aus den qualitativen Untersuchungen

Zusammenfassungen der Ergebnisse:

Duveneck, A., Singer-Brodowski, M., & von Seggern, J. (2020). Die Governance von Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) auf dem Weg vom Projekt zur Struktur. Berlin. [PDF extern, 2,2 MB]

Duveneck, A., Singer-Brodowski, M., & von Seggern, J. (2020). Die Governance von Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) auf dem Weg vom Projekt zur Struktur. Wissenschaftlicher Report. Berlin. [PDF extern, 2,0 MB]

Singer-Brodowski, M. (2018). Bildung für nachhaltige Entwicklung in das Herz der Frühkindlichen Bildung bringen. Berlin. [PDF extern, 195 KB]

von Seggern, J. (2018). Die Steuerung und Diffusion von BNE im Bildungsbereich Schule wirkungsvoll stärken. Berlin. [PDF extern, 198 KB]

Singer-Brodowski, M., & Grapentin-Rimek, T. (2018). Die Transformation der beruflichen Bildung für nachhaltige Entwicklung voranbringen. Berlin. [PDF extern, 211 KB]

Etzkorn, N. (2018). Hochschulen als Leuchttürme für Bildung für nachhaltige Entwicklung – Auf dem Transformationspfad die Strahlkraft erhöhen. Berlin. [PDF extern, 209 KB]

Singer-Brodowski, M. (2018). Non-formales und informelles Lernen für Nachhaltigkeit in Wert setzen. Berlin. [PDF extern, 206 KB]

Etzkorn, N. (2018). Jugendbeteiligung für Bildung für nachhaltige Entwicklung fördern – Wie können junge Menschen wirksamer beteiligt werden? Berlin. [PDF, 195 KB]

Grapentin-Rimek, T. (2018). BNE-Bildungslandschaften – Kommunen als Schlüsselstellen für eine gesellschaftliche Transformation zu einer nachhaltigen Entwicklung. Berlin. [PDF extern, 214 KB]

Internationale Veröffentlichungen:

Singer-Brodowski, M., von Seggern, J., Duveneck, A., & Etzkorn, N. (2020). Moving (Reflexively within) Structures. The Governance of Education for Sustainable Development in Germany. Sustainability, 12(7), 2778.

Singer-Brodowski, M., Etzkorn, N., & von Seggern, J. (2019). One Transformation Path Does Not Fit All-Insights into the Diffusion Processes of Education for Sustainable Development in Different Educational Areas in Germany. Sustainability 11(1), 269.

Aufbauend auf den bisherigen Erkenntnissen liegt der Fokus im laufenden Projekt auf einer stärkeren Unterstützung der BNE-Akteurinnen und Akteure bei der Umsetzung ihrer Ziele, unter anderem durch die Förderung von Reflexion über die eigenen Rollen und Handlungsmöglichkeiten. Dafür wird der wissenschaftliche Ansatz des “Reflexive Monitoring in Action” angewandt, der darauf abzielt, Innovationsnetzwerken, die nachhaltige Entwicklung umsetzen, neue Impulse zu geben und sie bei der Neujustierung von Projektzielen zu begleiten.

Quantitative Erhebung

Wie nachhaltigkeitsbewusst ist unsere Gesellschaft? Wie steht es um die praktische Umsetzung von BNE in Bildungseinrichtungen? Wie effektiv ist sie? Mithilfe von groß angelegten Fragebogenstudien erfassen wir unter anderem die aktuelle und gewünschte Verbreitung von BNE in der Bildungspraxis. So zeigte sich zum Beispiel ein großer Wunsch nach mehr BNE in der Praxis, sowohl bei Lernenden als auch bei Lehrenden. Diesem stehen, nach Angabe von Lehrkräften, jedoch Hürden wie eine zu geringe Verankerung in Curricula und mangelnde eigene Expertise entgegen.

In der laufenden Projektzeit werden die Veränderungen der BNE Verankerung auf Ebene der Bildungspraxis weiter beobachtet. Dabei wird noch stärker auf die Erfassung der Gelingensbedingungen einer transformativen BNE fokussiert. Zentrale Fragen sind dabei: Wie können sich Lernende trotz der Einsicht in die Größe der globalen Probleme dennoch befähigt und motiviert fühlen, diese Probleme aktiv anzugehen? Welche Rolle spielt sozial-emotionales Lernen in tiefgreifenden nachhaltigkeitsbezogenen Bildungsprozessen?

Wichtig ist, auszuhalten, dass man nicht alle Informationen zu einem Thema haben kann. Und trotzdem entscheidungsfähig ist. Das ist eine Grundbedingung für die Zukunft, ganz unabhängig davon, ob es um das Thema Nachhaltigkeit geht.

Prof. Dr. Gerhard de Haan (Wissenschaftlicher Berater des UNESCO Programms "ESD for 2030" und Leiter des Instituts Futur an der Freien Universität Berlin)

Diskussionspapier: "Was ist gute BNE?"

Das Monitoring-Team des Weltaktionsprogramms befragte BNE-Akteure auf dem Agendakongress 2016

Am 12. und 13. Juli 2016 fand der nationale Agendakongress zum UNESCO-Weltaktionsprogramm "Bildung für nachhaltige Entwicklung" (WAP BNE) in Berlin statt. Das Team des WAP-Monitoring hat hier eine Kurzerhebung zu der Frage "Was ist gute BNE?" [PDF extern | 1 MB] durchgeführt und die Ergebnisse in einem Artikel veröffentlicht.

Perspektiven aus der BNE-Community

Der Kongress ist eine zentrale Auszeichnungs- und Vernetzungsveranstaltung der BNE-Community in Deutschland. Daher wurde er als Erhebungsort ausgewählt. Mit der explorativen Studie war der Anspruch verbunden, Einblicke in die heterogene Gruppe von BNE-Akteuren und in ersten Ansätzen ein differenzierteres Bild dieser Gruppe und ihrer Perspektiven auf BNE zu bekommen. Ein zentrales Interesse galt den Perspektiven der Befragten darauf, was "gute BNE" auszeichnet. Insgesamt nahmen 190 Personen von 617 angemeldeten Kongressteilnehmern an der Kurzerhebung teil. In einem Diskussionspapier werden zentrale Ergebnisse präsentiert und vor allem auf die Frage nach der Bedeutung einer "guten BNE" fokussiert.

Gestaltungskompetenz erwerben

Die Ergebnisse zeigen, dass gute BNE für die Befragten ein Zusammenspiel aus Zielen, Inhalten, Methoden und Medien sowie Organisationsformen pädagogischer Settings ist. Ziel guter BNE ist der Erwerb von Gestaltungskompetenz unter Betonung jener Fähigkeiten, die den Handlungskompetenzen und den Bewertungs- und Beurteilungskompetenzen zuzuordnen sind. Die Inhalte einer guten BNE basieren auf dem gesamten Nachhaltigkeitsdiskurs sowie zunehmend auch auf der allgemeinen Transformationsdebatte um einen Wandel unserer Lebens- und Wirtschaftsweise. Sie werden durch spezifische Kriterien, wie Interdisziplinarität, Zukunftsorientiertheit und Werteorientierung gerahmt.

Partizipative Methoden im Mittelpunkt

Hinsichtlich der Methoden und Medien guter BNE lässt sich eine deutliche Orientierung am Konzept des Situierten Lernens identifizieren. Dabei stehen partizipative Methoden sowie ein deutlicher Alltags- und Lebensweltbezug im Mittelpunkt. Eine zentrale Organisationsform ist neben anderen der "Whole Institution Approach", der als ganzheitlicher Ansatz neben den Inhalten und Lernformen auch Bewirtschaftung einer Institution umfasst. Die Ergebnisse legen zudem nahe, dass sich die gesamte Bildungslandschaft strukturell ändern müsse.

Kinder sitzen im Gras, im Hintergrund ein Windrad.

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Weitere Publikationen

Neben den Executive Summaries stehen hier weitere Veröffentlichungen zum Download bereit, die im Zusammenhang mit dem Monitoring erschienen sind.

Bücher

  • Singer-Brodowski, M., Etzkorn, N. & Grapentin-Rimek, T. (Hrsg.) (2019). Pfade der Transformation. Die Diffusion von Bildung für nachhaltige Entwicklung in Deutschland. Opladen, Berlin, Toronto: Barbara Budrich.
    zum Buch
  • Brock, A.; de Haan, G.; Etzkorn, N.; Singer-Brodowski, M. (Hrsg.) (2018): Wegmarken zur Transformation. Nationales Monitoring von Bildung für nachhaltige Entwicklung in Deutschland. Opladen, Berlin, Toronto: Verlag Barbara Budrich.
    zum Buch 

Weitere Veröffentlichungen

  • Brock, A.; Grapentin, T.;  de Haan, G.; Kammertöns, V.; Otte, I.; Singer-Brodowski, M. (2017): Was ist gute BNE? Kurzerhebung im Rahmen des nationalen Agenda-Kongresses zum UNESCO-Weltaktionsprogramm „Bildung für nach-haltige Entwicklung“ (WAP BNE) am 12./13. Juli 2016 in Berlin
    zur Publikation [PDF extern | 1,0 MB]
  • Etzkorn, N. (2017): Erfassung des Unfassbaren? Monitoring non-formaler BNE. ökopädNEWS 09/2017 (Nr. 283), S. 34. Artikel über das Monitoring im Bereich der non-formalen BNE
    zur Publikation
  • Flohr, M. unter Mitwirkung von Singer-Brodowski, M. (2017): Die staatliche Förderung der außerschulischen Bildung für nachhaltige Entwicklung in Deutschland im Zeitraum 2011 bis 2016. Freie Universität Berlin, Institut Futur.
    zur Publikation [PDF extern | 8,9 MB]

Kontakt

Institut Futur
Freie Universität Berlin
Fabeckstraße 37
14195 Berlin
Webseite der Arbeitsstelle WAP beim Wissenschaftlichen Berater

Antje Brock
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
UNESCO BNE-Programm "ESD for 2030"
Telefon: +49 30 838 51883
E-Mail: brock(at)institutfutur.de

Julius Grund
Wissenschaftlicher Mitarbeiter
UNESCO BNE-Programm "ESD for 2030"
Telefon: +49 30 838 64331
E-Mail: grund(at)institutfutur.de

Janne von Seggern
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
UNESCO BNE-Programm "ESD for 2030"
Telefon: +49 30 838 67120
E-Mail: vonseggern(at)institutfutur.de

Dr. Mandy Singer-Brodowski
Wissenschaftliche Mitarbeiterin – Projektkoordination
UNESCO BNE-Programm "ESD for 2030"
Telefon: +49 30 838 61337
E-Mail: s-brodowski(at)institutfutur.de

Jorrit Holst
Wissenschaftlicher Mitarbeiter
UNESCO BNE-Programm "ESD for 2030"
Telefon: +49 30 838 69803
E-Mail: holst(at)institutfutur.de

Weiterführende Informationen

Weitere Informationen zur aktuellen Phase des bundesweiten Monitoring sowie eine Übersicht aller Veröffentlichungen finden Sie auch auf der Internetseite des Institut Futur.